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Montag, 22. November 2010

Probleme beim Übersetzen eines schwedischen Buches

Ein Übersetzer, der Bücher aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen will, steht vor mehreren Problemen, wenn er keine engsten Kontakte zu Schweden aus den verschiedensten Regionen hat, da es in der schwedischen Literatur keine einheitliche Sprache gibt, wobei es sich hier nicht nur um Literatur in literarischer Sprache und Umgangssprache handelt.

Sehr viele moderne schwedische Autoren benutzen einen Wortschatz, der zum Teil nur in bestimmten Regionen Schwedens vorkommt und einem schwedischen Leser, selbst wenn er nicht unbedingt jedes Wort versteht, einen Hinweis darüber geben aus welchem Teil Schwedens der Verfasser kommt. Gleichzeitig entsteht dabei auch das Bild einer bestimmten Umgebung, eines bestimmten Essens, einer bestimmten Kultur, die ein guter Übersetzer weitgehend im Deutschen übernehmen sollte.

Aber auch regionaler Wortschatz ist in Schweden nicht einheitlich, denn in fast allen Regionen existieren parallel drei Grundgruppen an Autoren, die weder die gleichen Worte benutzen, noch aber einem Wort den gleichen Inhalt geben. Das Problem für den Übersetzer ist nicht nur diese Worte auch zu verstehen, sondern den Inhalt einzelner Worte so in die deutsche Sprache zu übertragen, dass auch im Deutschen die Unterschiede sichtbar sind. Es ist völlig unsinnig einen schwedischen Junautor mit den gleichen Worten zu übersetzen wie einen Autor, der heute 70 Jahre als ist.

Und hierbei kommt man als Übersetzer, wenn man Schweden nur als Besucher kennt, zu einem der größten Probleme, denn selbst wenn man die deutsche Sprache mit den verschiedensten Sprachniveaus beherrscht., so gibt keine zweisprachigen Lexika oder Wörterbücher, die über den heutigen schwedischen Wortschatz verfügen. Ein guter Übersetzer verzichtet auf diese Lernhilfmittel ohnehin vollständig.

Aber auch die einsprachigen schwedischen Lexika und Wörterbücher erklären nicht die heutige schwedische Sprache, sondern hinken der Sprachentwicklung um zehn bis fünfzehn Jahre hinterher. Die einzige sinnvolle Methode auch die schwedische Sprachentwicklung verfolgen zu können bietet, außer ständigem persönlichem Kontakt mit unterschiedlichen schwedischen Gruppen aus verschiedenen Regionen, nur Internet, da es zahlreiche Sites gibt, die neue Worte oder veränderten Gebrauch von Worten erklären. Nur über diese Weise findet man in Foren und über die sozialen Medien Kontakte zur tatsächlichen Sprachentwicklung.

Wer aus der schwedischen Sprache übersetzt und nicht in Schweden lebt und völlig in der schwedischen Gesellschaft verankert ist, wird jedoch selbst unter optimalen Bedingungen noch seine Grenzen entdecken, die zu fehlerhaften Übersetzungen führen. Zum einen verwenden einige schwedische Autoren völlig selbstverständlich Ausdrücke und Redewendungen, die, je nach Region, aus dem Dänischen, dem Norwegischen oder auch aus dem Samischen kommen. Zum anderen benutzt man, zum Beispiel, auf den Schären für Tiere und Bezeichnungen in der Natur bereits andere Ausdrücke als auf dem Festland und benutzt diese Ausdrücke auch in der Literatur. Es gibt natürlich regionale Wörterbücher mit bis zu 20.000 Worten, die entsprechende Begriffe ins Schwedisch übersetzen, aber für Übersetzer in Deutschland sind diese Bücher unerreichbar.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 19. Oktober 2010

Die Übersetzung von schwedischen Büchern

Bücher aus dem Schwedischen werden in der Regel von Übersetzern übertragen, die Deutsch als Muttersprache beherrschen und die schwedische Sprache in Sprachschulen, Universitäten oder als Autodidakt nach einigen sommerlichen Aufenthalten in Schweden gelernt haben, was logischerweise einige Probleme mit sich bringt.

Natürlich kann ein entsprechender Übersetzer Bücher von Autoren, die aus dem Raum um Stockholm kommen und ein Hochschwedisch benutzen, je nach seiner Qualifikation, gut in die deutsche Sprache übertragen, vorausgesetzt, dass es sich um ein Thema handelt, das keine tieferen Kenntnisse in schwedischer Tradition und schwedischem Verhalten fordert. Bücher von Leif GW Persson oder Kristina Ohlsson können daher ohne größere Probleme in Deutsch veröffentlicht werden, was bei Henning Mankell, Sandra Gustafsson oder Marianne Fredriksson, die bei ihrer Wortwahl bisweilen weit vom Hochschwedisch abweichen, bereits ein größeres Problem darstellt.

Natürlich wird ein deutscher Leser schwedischer Autoren, der Schweden nicht sehr gut kennt, nie erfahren, was er durch eine schlechte Übersetzung verpasst und selbst der Lektor eines Verlages wird eine schlechte Übersetzung unter Umständen als sehr gutes Buch betrachten, was es auch ist. Was in solchen Fällen fehlt, ist nur, dass in entsprechenden Übersetzungen das wahre Schweden zu kurz kommt und deutsches Verständnis mit schwedischem Inhalt gemischt wird.

Ein guter Übersetzer von schwedischer Literatur muss mehrere Jahre in Schweden gelebt haben und die Mentalität der verschiedenen Regionen sehr gut kennen, denn nur dann wird er die Feinheiten des Landes, die Dialekte und eine unterschiedliche Anwendung von Grammatik verstehen und bei der Übersetzung berücksichtigen können. Und nur dann wird er bei älteren Autoren des Wärmlands nicht die norwegisch-schwedischen Worte nach bestem Gewissen erraten müssen, sondern den Geist des Wärmlands mit in seine Übersetzung mit aufnehmen.

Viele schwedische Autoren sind sehr eng an ihre Region gebunden, nicht nur was Traditionen und Brauchtum angeht, sondern auch hinsichtlich der Sprache. Selbst Anna Jansson benutzt in ihrer Wortwahl noch heute Ausdrücke und Redewendungen aus dem Gotland, obwohl sie schon seit vielen Jahren in Örebro wohnt. Wie sollte ein akademischer Übersetzer diese Feinheit bei einer Übersetzung entdecken und bei der Übersetzung berücksichtigen können?

Schweden hat auf einer Fläche, die Deuschland um fast 100.000 Quadratkilometer übersteigt, eine Vielzahl an Kulturen und, man kann auch sagen Regionalsprachen, denn Umeå besitzt ebenso eigenen Worte wie das Dalsland und Göteborg. Die meisten dieser Worte findet man in keinem Lexikon und keinem Wörterbuch. Selbst die Bewohner Stockholms können mit entsprechenden Begriffen oft nichts anfangen, obwohl sie in der Literatur teilweise verwendet werden und sie in der entsprechenden Region bereits Urlaub machten.

Während der kommenden Buchmesse in Göteborg mit der deutschsprachigen Literatur im Fokus können Besucher und Verleger aus dem deutschsprachigen Raum nicht nur deutsche Bücher präsentieren oder schwedische Neuausgaben entdecken, sondern auch einen Blick auf die schwedische literarische Realität und die schwedische Kultur werfen, was einem gegenseitigen kulturellen Austausch nur zu Gute kommen kann.

In den folgenden Wochen werden einzelne Autoren und deren Bücher auf diesen Seiten gezielt besprochen. Als erste Autorin ist für nächste Woche Kristina Ohlsson mit ihrem zweiten Buch „Tusenskönor“ (Gänseblümchen) vorgesehen.

Copyright: Herbert Kårlin